What Can Blockchain Do For You?

The Internet as we know it is difficult to control. Once a text, image, video, or piece of content is posted online, it is hard to manage what happens to it. Think of malware, for instance. Malware is “in the wild,” meaning it can show up anywhere at any time and is difficult to contain, control, or even track. Songs, movies, software – just about anything can be replicated and distributed by nearly anyone at almost zero marginal cost.

At the same time, data can be manipulated. Code can be altered, pictures can be photoshopped, video and audio can be modified to give false impressions of the behavior of individuals and companies. It is becoming increasingly difficult to prove that something never happened, pics or no pics.

Blockchain can’t and won’t solve all of these issues. Some things we’d rather forget will still be remembered online, some things we’d never want to lose will still be lost, and some things we know for certain happened differently will still be falsely portrayed.

But blockchain provides opportunities for new business models that bring back control and trust. In many such cases, customers and end users will need to look very closely to notice any differences, as the changes mainly will occur in the back ends.

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Wie war’s beim Mountainbiken im Schwarzwald?

Ich will niemanden davon abhalten, in den Schwarzwald zu fahren und hier womöglich sein Glück auf einem Mountainbike zu suchen. Ich bin schließlich selbst oft genug auf meinem Fahrrad auf den Trails rund um Freiburg unterwegs. Für mich sind die auch vollkommen ausreichend.

Aber weil ich auf meinen kurzen Ausfahrten auch immer wieder Leute treffe, die auf ihren teuren Bikes eher nicht so glücklich wirken, an dieser Stelle ein Hinweis. Damit Sie nicht mit falschen Erwartungen anreisen oder hinterher enttäuscht sind. Oder behaupten, Sie hätten es nicht gewusst.

Daher hier in aller Deutlichkeit und für alle zum Nachlesen. So toll ist das rund um Freiburg mit dem Mountainbiken gar nicht. Mountainbiken im Schwarzwald ist eher so mittel. Darum heißt es ja auch „Mittelgebirge“.

Klar, wenn man zufällig hier wohnt und gerne draußen ist, spricht nichts dagegen, nach Feierabend eine schnelle Runde über den Roßkopf zu drehen oder einmal den Schönberg hoch und wieder runter zu fahren.

Aber extra dafür hierherfahren und womöglich sogar kostbare Urlaubstage opfern? Würde ich nicht. Da fahre ich doch lieber in die Alpen. Die sind vom Schwarzwald aus gar nicht so weit. An manchen Tagen sieht man sie sogar, sie scheinen dann zum Greifen nah und so ist es ja auch wirklich.

Die Alpen! Echte Berge! Mit echten Trails! Für echte Mountainbiker!

In Freiburg hingegen erwarten Sie vor allem „Trails“ wie dieser hier:

Zum Mountainbiken nach Freiburg: Etwas prickelnder als Laufen auf dem Laufband

Und Zecken. Besonders am Schönberg, der zwar schön sein mag, aber jetzt auch nicht auffallend schön wäre. Auffällig ist vor allem, dass es dort viele Zecken gibt. Richtig viele. Es gibt Verbreitungskarten, auf denen ist der Schönberg als der deutsche Standort verzeichnet, an dem es die meisten Zecken gibt, beziehungsweise, um es richtig auszudrücken, an dem es die meisten Zecken gibt, die FSME und Borreliose übertragen.

Der Schönberg: Ganz schön viele Zecken

Wenn Sie Interesse an krankmachenden Zecken haben, verbringen Sie Ihren Moutainbikeurlaub also gerne in Freiburg. Alle anderen biegen, wenn sie mit dem Auto kommen, einfach nicht nach Freiburg ab. Fahren Sie einfach weiter geradeaus. Noch zwei Stündchen in etwa. Dann sind Sie schon am Vierwaldstättersee und da ist es dann richtig schön.

Gruß aus dem Schwarzwald

 

Kinder II

Zuerst meinte ich, mich verhört zu haben. Was das sein soll: ein Klowärter? War das ein neuer Beruf und sollte es in Zeiten akuten Erziehermangels ausgerechnet unserem Kindergarten gelungen sein, einen solchen Klowärter zu rekrutieren? Und was macht so ein Klowärter eigentlich den ganzen Tag.

Also nachgefragt und tatsächlich, ich hatte mich verhört. Nicht einen Klowärter gibt es im Kindergarten, sondern Klowörter. Wissen Sie, was Klowörter sind? Ich musste es mir erklären lassen. Klowörter sind Wörter, die im Zusammenhang mit allem stehen, was man so auf dem Klo erlebt. Und Klowörter sind verboten. Streng verboten.

Mich erinnert das daran, wie ein mir nahestehendes Kind einmal einen Passanten, einen fremden Mann, der zufällig unseren Weg kreuzte, zurechtwies. So etwas sage man nicht. Es ging um ein Wort, das der Missetäter verwendet hat, welches es war, weiß ich nicht mehr. Ich weiß aber noch, dass er einigermaßen perplex geschaut hat. Was auch dem mir nahestehenden Kind auffiel, welches daraufhin die Erklärung nachschob: „Das haben wir verbrannt.“

Auch da musste ich nachfragen. So fand ich heraus, dass im zuständigen Kindergarten, einem Waldkindergarten übrigens, alle unerwünschten Wörter auf Zettel geschrieben und diese Zettel den Flammen übergeben worden waren.

Ich bin kein Pädagoge, sondern nur einfacher Papa, aber mit Wörtern kenne ich mich aus. Ich weiß zum Beispiel, dass es einen Unterschied gibt zwischen „Wörtern“ und „Worten“. Und ich weiß, dass es sehr schwierig sein kann, das richtige Wort zu finden.

Ich weiß auch, dass das schon Mark Twain wusste, der gesagt haben soll: „The difference between the right word and the almost right word is like the difference between lightning and a lightning bug.“

Und ich weiß, dass es Momente gibt, wo der Blitz nur mit Hilfe eines Klowortes einschlägt.

Wenn meine Kinder neue Wörter mit nach Hause bringen, halte ich es daher mit dem lieben Gott, über den der Kaiser, anlässlich der Geburt seines aus einer außerehelichen Affäre geborenen Kindes, zu sagen wusste, er freue sich über jedes neue Menschenkind.

Bei uns werden neue Wörter nicht verbrannt, sie werden gefeiert. Das heißt natürlich auch, die Brut permanent darauf hinzuweisen, dass sie ihre Worte besser wählen kann. Wie neulich auf dem Campingplatz:

„Pass’ auf, die Mauer!“
„Nicht aus der Hängematte stürzen!“
„Fahr’ die anderen Camper nicht über den Haufen!“
„Schneide dich nicht mit dem Messer!“

Für Eltern ist so ein Campingplatz ein Ort der Gefahren, die Kinder davor laut und wiederholt zu warnen, ist oberste Campingplatzbeschäftigung. Die Kinder jedoch sehen nicht die Gefahr, sie haben einfach nur Spaß und auf Warnrufe reagieren sie mit der immer gleichen Replik.

„Ach was, Papi“, sagen sie, wohl wissend, dass sie heute schon rückwärts die Mauer hinunter gestürzt sind, beim Einsteigen die Hängematte verfehlt und den Boden getroffen und schon mindestens einen Nachbarn auf dem Gewissen haben.

„Ach was, Papi.“

Jetzt sitzen sie mit baumelnden Beinen auf besagter Mauer und schnitzen. So ein Schnitzmesser muss scharf sein, sonst geht das nicht. Wer sich mit so einem Messer in den Finger schneidet, spürt es nicht einmal. Man bemerkt die Verletzung erst, wenn man das Blut sieht. Scharf wie ein Skalpell, unsere Schnitzmesser. All das hatte die Verkäuferin gesagt und uns zu den zwei Messern zwei Handvoll Pflaster in die Tüte gepackt. Sie werden’s brauchen, hatte sie gesagt.

„Ach was, Papi.“

„Wie wäre es stattdessen mit: Vielen Dank für den Hinweis, Papi?“

Wie gesagt, ich bin kein Pädagoge. Ich bin nur ein ganz normaler Papa mit ganz normalen Sorgen und ganz normalen Vorschlägen. Die meisten davon laufen ins Leere. Aber mit Wörtern kenne ich mich aus und siehe, es klappt. Mein Vorschlag wird angenommen.

Sogar sehr gut.

Es kann so einfach sein: Meine Kinder haben die falschen Worte verwendet, ich habe sie darauf hingewiesen, dass es bessere Worte gibt und jetzt sitzen sie da mit ihren Kinderskalpellen und ihren spitzer werdenden Stöcken, schnitzen emsig vor sich hin und kichern dazu im Kanon:

„Vielen Dank für den Hinweis, Papi! Vielen Dank für den Hinweis Papi! Vielen Dank für den Hinweis, Papi.“ (repeat and fade out)

Wird ein Buch daraus?II

Wenn ein Buch daraus wird, werde ich bestimmt auch wieder daraus vorlesen. Als Rausschmeißer gibt es dann das hier zu hören:

„Wäre das hier ein Rockkonzert, könnte ich jetzt nach Hause gehen. Aber aus mir ist eben kein Rockstar geworden, sondern nur Schreiberling. Darum haben Sie meine Texte nicht mitgesungen. Und darum kommen wir jetzt gleich zu einem Programmpunkt, den kein Rockstar je absolvieren muss: Fragerunde.

Ich mag Fragerunden. Sie sind so schön vorhersehbar. Los geht es immer so: Ich sehe schon bei der letzten Zugabe, wer bei der Fragerunde als Erstes den Finger streckt. Es ist eine Frau, die sich ihre Frage schon minutenlang zurecht gelegt und im Geiste wieder und wieder umformuliert hat. Vom vielen stillen Proben ist sie aber nicht etwa souveräner geworden. Im Gegenteil. Sie rutscht schon ewig auf ihrem Stuhl herum, sie hat rote Bäckchen und zuhören kann sie schon lange nicht mehr.

Sie will immer das Gleiche. Sie will ein Kind von mir. So formuliert sie es natürlich nicht, aber es läuft darauf hinaus. Sie findet, es war ein prima Abend und sie hält den Künstler für eine ebenso kreative wie freie Seele. Das wäre sie auch gern. Ist sie aber nicht. Also muss sie sich meine Kunst einverleiben. Das geht aber nicht. Also will sie, wenigstens, ein Kind von mir.

Weil sie aber selbst einsieht, dass das nicht geht, zumindest nicht so schnell und schon gar nicht hier, in aller Öffentlichkeit, formuliert sie es anders. Sie gibt sich mit weniger zufrieden: Sie will mein Geheimnis.

Sie sagt: „Also, erst einmal vielen Dank für den inspirierenden Abend. Und dann würde mich mal interessieren, woher nehmen Sie eigentlich Ihre Ideen?“

Immer ist das die erste Frage und die Antwort ist auch immer gleich: „Meine Ideen kommen mir immer in der Badewanne.“ Dann lasse ich eine kurze Pause. Soll sie mit ihrem Kinderwunsch ruhig mal in Ruhe darüber nachdenken, wie das aussieht: Ich in der Badewanne beim Empfangen von Ideen. Soll sie sich ruhig vorstellen, ob das was werden kann mit ihr selbst und dem in der Badewanne empfangenen Bestseller.

Nach Verstreichen der Pause schiebe ich hinterher, dass mir in der Badewanne so viele Ideen kommen, dass ich gar nicht weiß, wohin damit und dass sie gerne drei oder vier davon haben könne, aber das ihr das natürlich nichts bringe. Weil die Idee allein überhaupt nichts wert sei. Man müsse sie schon auch umsetzen.

Dann kommt die nächste Frage. Auch die kenne ich schon. Sie lautet: „Mich würde interessieren, wie viel von dem, was Sie schreiben, haben Sie selbst erlebt?“ „Eine interessante Frage“, beginne ich meine Antwort mit einer Lüge. Ich weiß genau, was die Frage soll. Auch die Frage stammt von einer Frau. Männer stellen nämlich keine Fragen. Auch diese Frau will eigentlich ein Kind von mir. Aber diese Frau weiß genau, dass es einen Unterschied gibt, zwischen dem Künstler und seinem Werk. Da hat er vielleicht ein ganz brauchbares Buch geschrieben, denkt sich diese Fragerin, doch wer garantiert mir, dass der Typ nicht ein totaler Reinfall ist?

Ich kann sie beruhigen: Natürlich bin ich der wahre Jakob und natürlich habe ich alles, was ich jemals geschrieben habe, selbst erlebt. Zumindest in meiner Phantasie. Sonst hätte ich ja wohl kaum darüber schreiben können.

Gibt es weitere Fragen? Die gibt es. Worüber schreiben Sie als Nächstes? Wird nicht verraten. Wie stehen Sie zu der im Buch aufgeworfenen Fragestellung xy persönlich? Dazu möchte ich nichts sagen. Können Sie uns erklären, was die Figur X dazu bewogen hat, sich gegenüber Y so zu verhalten? Äh, wollen Sie nicht vielleicht lieber ein Kind von mir?

So ist das mit mir und den Fragerunden und wenn es keine weiteren Fragen gibt, würde ich jetzt gerne nach Hause gehen.“

Wie war’s in Freiburg?

Sollen die anderen ruhig nach Riga jetten und die eine Hälfte ihres langen Wochenendes mit An- und Abreise und die andere Hälfte mit der sinnlosen Suche nach Geheimtipps verplempern: Ich bevorzuge den Campingplatz am Hirzberg. Die Anreise mit dem Fahrrad dauert nur zehn Minuten und wo die Pizza wie schmeckt, weiß ich selber.

Und überhaupt: Wer lebt, wo andere Urlaub machen, kann dort doch schließlich auch Urlaub machen?

Auf dem Zeltplatz angekommen, zunächst die Zelte der Nachbarn in Augenschein nehmen. Auch hier will man schließlich wissen, mit wem man es zu tun hat. Sie sind vom selben Hersteller wie unseres.

Also reden:
„Wo kommt ihr denn her?“
„Aus Littenweiler.“
„Ebnet.“
„Ah, ja.“

Littenweiler und Ebnet. Das sind, der Kenner weiß es natürlich, Freiburger Stadtteile. Wir sind überhaupt nicht unkonventionell, wir sind stinknormal. Freiburger, die in Freiburg Urlaub machen, sind total gewöhnlich und wir haben nicht die kürzeste, sondern ganz im Gegenteil, die weiteste Anreise hinter uns.

So geht es mir immer wieder in dieser Stadt. Mir kommt Generation Golf von Florian Illies in den Sinn, das damit anfängt, dass der kleine Florian „Wetten, dass“ schaut und sich geborgen fühlt, weil alle „Wetten, dass“ schauen. Das Buch geht in meiner Erinnerung damit weiter, dass der große Herr Illies dieses Gefühl der Aufgehobenheit in der Gemeinschaft vermisst, weil jetzt alles so zerfasert ist.

Vielleicht sollte Illies nach Freiburg ziehen?

Egal, was ich mache, die andern machen es genau so. Vielfalt finden wir prinzipiell schon gut. Das Niveau muss halt stimmen. Und dann sieht das hier eben so aus, wie das hier eben aussieht.

Eine Regel, die übrigens auch von denjenigen Campingplatzbesuchern befolgt wird, die tatsächlich von außerhalb und mit dem Automobil anreisen:

Freiburg: Vielfalt finden wir prinzipiell schon gut. Das Niveau muss halt stimmen.

Das gleiche gilt auch für unsere Kinder. Sie sind sich zum Verwechseln ähnlich. Manchmal muss ich aufpassen, dass ich nicht das falsche Kind mitnehme und manchmal frage ich mich, ob nicht genau das längst passiert ist?

Vor allem in der kalten Jahreszeit steigen die Chancen, denn dann tragen sie alle die gleichen Gummistiefel von Aigle und die gleichen Matschhosen von Jako-o und die gleichen Rucksäcke von Deuter und über den Ohren haben sie die gleichen dicken Mützen auf, unter denen sich so schlecht hört, und wenn sich dann die in Funktionswäsche ununterscheidbar gekleideten Elternteil am Zaun samt ihren vom T80 der Fahrradmanufaktur gezogenen Anhängern der Marke Thule ihre Kindlein rufen, wer vermag dann alle Lenis, Leahs, Lenas und Linas richtig zuzuordnen?

Sie halten das für übertrieben? Die Kinder werden doch wohl noch wissen, wo sie hingehören, meinen Sie? Meinte ich auch. Bis ich das erste Mal miterlebte, wie sich im Gedränge eines Flohmarkts eines der Kinder, von denen ich sicher zu glauben dachte, es sei meins, sich mit der Bestimmtheit, die nur Vorschulkinder zustande bringen, „Mama“ sagend, an ein mir unbekanntes Frauenbein klammerte und nicht mehr loslassen wollte.

Vielleicht, so meine Schlussfolgerung, müsste ich mein Zelt gar nicht aufbauen. Vielleicht könnte ich ja einfach in eins der bereits vorhandenen Zelte ziehen? Bestimmt gäbe es am bereitgestellten Equipment nichts auszusetzen und wenn es dunkel würde, fände ich die mit ausreichend geladenen Akkus ausgestattete Stirnlampe mit Sicherheit am richtigen Ort.

Wie war’s außerhalb Freiburgs?

Wer in Freiburg wohnt und, was vorkommt, Freiburg verlässt, wird dort, wo auch immer dieses „Dort“ gelegen sein mag, recht schnell eine Feststellung machen und diese Feststellung ist immer die gleiche: Die Leute dort sehen anders aus als wir.

Es sticht, ich muss das leider in aller Offenheit aussprechen, geradezu ins Auge: Nicht-Freiburger tragen unpraktische Kleidung.

Kein erkennbares Layersystem, null Thermoregulierung, unzureichender Schutz vor der Witterung. Stattdessen: Schuhe mit Absatz und ohne Profil, Kellnersocken, Bügelfalten und so weiter.

Als Freiburger fragt man sich unweigerlich, was Nicht-Freiburger eigentlich machen, wenn es regnet. Wahrscheinlich werden sie nass.

Als Freiburger verspürt man den Drang, mehr über den Lifestyle dieser Menschen zu erfahren. Welches Equipment Nicht-Freiburger wohl dazu einsetzen, ihren Alltag zu meistern? Es wächst der Wunsch, den Inhalt ihres Gepäcks zu inventarisieren, doch es ist wohl das Beste, dieser Wunsch bleibt unerfüllt. Wahrscheinlich fände sich in den winzigen Täschchen noch nicht einmal eine Stirnlampe.

Überhaupt, was die Leute außerhalb Freiburgs offensichtlich alles nicht haben: Winters läuft dort keiner mit Langlaufskiern auf der Schulter durch die Stadt, sommers führt keiner auf dem Rücken einen Gleitschirm mit sich – und wer jetzt behauptet, sich auf den Skiern oder durch die Luft in die Stadt zu bewegen, sei doch bestimmt selbst für Freiburger Verhältnisse ein bisschen arg ungewöhnlich, dem sei entgegnet, dass es mit dem gewöhnlichsten aller Fortbewegungsmittel außerhalb Freiburgs auch nicht gerade gut aussieht.

Ich bin sicherlich nicht der übertriebenen Liebe zu meinem Fahrrad verdächtig: Das Velo nach jeder Ausfahrt mit der Zahnbürste reinigen? Nicht mit mir. Meine schönsten Touren habe ich auf ziemlichen Gurken erlebt. Ich sag‘ nur: Stahlschlampe.

Aber das, was die Leute außerhalb Freiburgs „Fahrräder“ nennen, ginge auch bei mir bestenfalls als „Göppel“ durch. Mit so was kämen die nicht nur die Borderline nicht runter, sondern wahrscheinlich noch nicht einmal den Roßkopf hoch.

Aber so ist das eben außerhalb von Freiburg. Wer nicht vom Münster aus gerechnet in zwei Minuten am Schlossberg, oder in zehn Minuten am Lorettoberg oder in fünfzehn Minuten am Schönberg ist, der kommt wohl auch nicht so oft auf die Idee, in der Mittagspause oder nach Feierabend auf dem Berg im Wald zu verschwinden und wenn’s regnet, so wird das wohl sein, ist bestimmt der nächste U-Bahn-Schacht nicht fern.

Da ist es dann trocken und warm und die Mieten sind bestimmt auch günstiger als in Freiburg, was mich daran erinnert: Wir suchen noch eine (mindestens) Vier-Zimmer-Wohnung. Natürlich in Freiburg.

Wer was weiß, gerne melden!

Die Leitmetapher im Zeitalter der Digitalisierung ist die Digitalisierung

  • Da wäre das 17. Jahrhundert, als Rationalisten wie Descartes oder Leibniz die Natur als ein seelenloses Zusammenspiel passiver Teilchen darstellten. Druck und Gegendruck, Ursache und Wirkung. Der Lauf der Welt ist determiniert, alles – inklusive der Tiere (aber exklusive der Menschheit) – folgt den Regeln der Mechanik.
  • Da wäre das 19. Jahrhundert, als Welt und Mensch mit dem Vokabular der Industrialisierung erklärt und Vorgänge in Organismen mit Vorgängen in Dampfmaschinen erklärt wurden, was unser Sprechen bis heute prägt, wenn wir unserem Körper beispielsweise Brennstoffe zuführen, die wir in Kilojoule messen.
  • Da wäre das 19. Jahrhundert, in dem das menschliche Nervensystem mit den frisch verlegten Telegrafenleitungen verglichen wird, das über verschiedene Leitungen und Stationen Nachrichten sendet oder empfängt.
    So verfügt jedes Zeitalter über seine Leitmetaphern und so muss sich jede Generation daran messen, wie treffend ihre Metaphern sind – und wie diese vielleicht nicht nur dazu dienen, die Welt zu beschreiben, sondern auch zu verändern.

So verfügt jedes Zeitalter über seine Leitmetaphern und so muss sich jede Generation daran messen, wie treffend ihre Metaphern sind – und wie diese vielleicht nicht nur dazu dienen, die Welt zu beschreiben, sondern auch zu verändern.

So ist das in unserer Gegenwart und dagegen habe ich auch gar nichts einzuwenden. Ich selbst nutze das Wochenende auch gerne dazu, „meinen Akku aufzuladen“. Und wenn „die Festplatte voll ist“, ruft mich besser niemand an.

Allerdings glaube ich auch, dass wir besser aufpassen und einen einfachen Fehler vermeiden sollten, der, so meine Befürchtung, viel dazu beiträgt, dass die Welt schlechter ist, als sie sein könnte.

Weiter geht’s bei fresh info +++: http://fresh-info.de/2017/ueber-metaphern/

Das Nashorn IV

So ähnlich muss es sich anfühlen, wenn man Ideen mit dem Ziel in die Welt setzt, bei seinen Mitmenschen ein Umdenken zu bewirken: Scheinbar hinterlässt meine Auseinandersetzung mit dem Thema Nashorn im unmittelbaren Umfeld bereits Spuren, wenn auch, mit Flügeln und bunter Mähne versehen, anatomisch noch nicht ganz korrekt.

Aber anatomisch korrekt war Dürers berühmtes „Rhinocerus“ ja bekanntlich auch nicht.

Das Nashorn III

Aufgrund entsprechender Rückfragen: Ihr Wohlbefinden kommt bei mir an erster Stelle. Sie können meine Zehennägel selbstverständlich auch in potenzierter Form bekommen. Das kostet dann aber. Weil: Ich bekomme den ganzen Zucker schließlich auch nicht geschenkt.

Wird daraus ein Buch? I

„I asked the famously effective satiric draftsman Saul Steinberg if he was gifted.  He said he was not, but that the appeal of many graphic works of art was the evident struggle of their creators with their obvious limitations.  Put another way by me:  We like some works by some artists who couldn’t do what Michelangelo could do, but who damn well made pictures anyway. 

I asked many people more committed than I am to the making of pictures by hand when it was that their art gave them the most satisfaction.  When it was framed and exhibited?  When it was published or sold?  When it was praised by loved ones or an important critic?  When?  Three of those I asked were my own daughters Edith and Nanette, and my son Mark.  Few I asked were world renown.

All replied without hesitation that they were most at one with the universe when making a picture in perfect solitude.  All the rest was by comparison annoying balderdash.  I say that, too. And let me add that the pictures in this catalog are the works of two persons, myself and the silk-screen virtuoso Joe Petro III of Lexington, Kentucky, each of us working alone, and experiencing from time to time almost indecent ecstasy.“ (Kurt Vonnegut)

Ich mag Vonnegut, den Schriftsteller, sehr und kann auch Vonnegut, den Zeichner, gut leiden, darum werde ich mir das Zitat eines Tages als Druck kaufen und an die Wand hängen.

Aber so sehr mich das Bild vom mit sich selbst zufriedenen Vonnegut auch erwärmt: Inhaltlich zustimmen kann ich ihm leider nicht.

Für mich ist es nämlich keineswegs das Größte, einsam vor mich hinzuarbeiten. Für mich kommt das Größte erst danach. Das Größte am Schreiben ist es für mich, wenn ich einen Text von mindestens 20 Seiten Länge fertig habe und diesen Text ausdrucke.

Großartig ist dieser Moment aus verschiedenen Gründen. Sie hängen alle mit meinem Drucker zusammen:

  • Erstens braucht mein Drucker so lange, um den Raum mit diesem einzigartigen Duft zu füllen. Vielleicht kennen Sie den Duft, den ich meine? Wäre ich Parfümeur, ich würde Flakons gefüllt mit der von meinem Drucker verströmtem Luft verkaufen. „Heureka“ würde ich den Duft nennen oder „Es ist vollbracht!“ und alle (die so sind wie ich) würden es kaufen und wären endlich zufrieden.
  • Zweitens legt mein Drucker zwar Blatt auf Blatt, aber ein schöner Stapel wird daraus noch nicht. Aus 20 Blatt Papier einen schönen Stapel zu formen, das erfordert menschliches Zutun. Den Stapel erst durch mehrfaches Auf-Die-Tischplatte-Klopfen an seinem kurzen Ende bündig machen, die Prozedur dann am langen Ende wiederholen und die Bögen, wenn das sachte Klopfen nicht reicht, durch Aufwölben gefügig machen: So erfüllend, denke ich mir dann immer, muss sich echte Handarbeit anfühlen.
  • Drittens ist das Papier, wenn es frisch mit meinen Gedanken bedruckt und sauber gestapelt vor mir liegt, noch warm. Das ist der Grund, warum ich, bevor ich mich ans Ausdrucken mache, immer die Vorhänge zuziehe, denn den noch warmen Stapel Papier schiebe ich mir nun unters Hemd und das, Sie ahnen es, ist dann der Zeitpunkt, an dem ich das erlebe, was Vonnegut mit „almost indecent ectasy“ umschreibt.

Um diesen Moment erleben zu dürfen, schreibe ich und meinetwegen könnte es damit vorbei sein, beziehungsweise von vorne anfangen.

Aber man ist ja keine Insel. Man soll ja ein Publikum finden. Man ist ja gefordert, aus einem Manuskript ein Buch werden zu lassen.

Darum beginnt jetzt, wo das Manuskript fertig ist (zumindest ein erster Entwurf, der in Wirklichkeit der elfte Entwurf ist, aber der erste, für den ich mich nicht schäme), ein ganz anderer Abschnitt in meinem Schaffen. Darin dreht sich alles um eine Frage: Wird daraus ein Buch?