Einmal über die Alpen fahren mit dem Fahrrad, Teil 2

Wenn ich mit meinen Kindern durch Freiburg radle, frage ich sie manchmal, wo wir gerade sind. Viele Orte kennen sie. Wo wir wohnen. Wo wir mal gewohnt haben. Kindergarten, Schule. Das Münster. Man könnte meinen, sie kennen ihre Stadt. Aber das tun sie nicht. Überhaupt nicht. Neulich habe ich ihnen gesagt, sie dürften mir mal zeigen, wie wir nach Hause kommen. Sie haben es nicht geschafft und das, obwohl wir schon zigmal auf dem Spielplatz waren, von dem es losgehen sollte und sie nur einmal an der richtigen Stelle abzubiegen hatten.

Genau so geht es mir mit den Alpen.

Ich kenne die Rigi, ich kenne den Säntis und den Titlis. Ich war am Matterhorn, ich bin über den Gotthard gefahren und ich war im Alpstein. Ich bin durch den Vierwaldstättersee geschwommen und bin in die Maggia gesprungen. Aber wenn ich, sagen wir, von Luzern nach Locarno finden müsste, wüsste ich nicht einmal, in welcher Himmelsrichtung ich zu schauen hätte.

Für jemanden, der die Alpen mit dem Mountainbike überqueren will, ist das natürlich nicht ausreichend, also habe ich den Ort aufgesucht, den lernwillige Freiburger in solchen Fällen aufsuchen. Ich war im Landkartenhaus.

Hinter diesem Fenster die Welt.

Das Freiburger Landkartenhaus. Wenn Sie es kennen, werden Sie jetzt wahrscheinlich an eines Ihrer ganz persönlichen Abenteuer denken, das vielleicht genau hier seinen Anfang genommen hat. Wenn Sie es nicht kennen, sollten Sie es bei nächster Gelegenheit einmal besuchen. Besonders groß ist es ja nicht, eigentlich, so von der Fläche her betrachtet. Aber aufgrund irgendeines Tricks, den zu durchschauen und nachzuahmen auf PoS spezialisierten Retail Store Consultants eine goldene Nase bescheren würde, wenn es ihnen denn gelänge, was nicht der Fall sein wird, verschieben sich bei Betreten des Ladens die Wände oder die Grenzen der Wahrnehmung oder die der Phantasie. Jedenfalls passt die ganze Welt in diesen kleinen Laden.

„Guten Tag“, begrüße ich die Mitarbeiterin. “Ich möchte gerne einmal mit dem Mountainbike über die Alpen, bitte. Gerne von Luzern nach Lugano. Nein, nach Locarno.“

„Einen kurzen Moment“, sagt die und Minuten später stapeln sich Karten und Bücher vor mir, die ich beliebig lange studieren, vergleichen und mit dem Finger abfahren kann. Das ist nicht nur gestattet, es ist ausdrücklich erwünscht. Zu diesem Zweck stehen in dem kleinen Laden sogar mehrere große Tische in angenehmer Kartenstudiumshöhe.

Ich tue, was ich sonst in keinem Laden tue, ich nehme mir die Zeit, nicht nur die Karten zu begutachten, sondern auch den Moment zu genießen. Es kommt schließlich nicht oft vor, dass ich mich fühle wie der Chef der National Geographic Society, der gerade Ziel und Zweck von Cooks nächster großer Reise definieren darf.

Eine Karte kaufe ich jedoch heute nicht. Noch nicht. Dafür muss ich erst noch weiter an meinen Träumen arbeiten. Aber eines weiß ich nach diesem Ausflug ins Freiburger Landkartenhaus schon mal: Wer mit dem Fahrrad von Luzern nach Locarno will, muss nach unten fahren und sich dabei leicht links halten.

Micro Adventure: Jemanden in einer Lawine finden (und rechtzeitig ausgraben)

Wer andere aus Lawinen retten will, sollte spätestens am Abend davor damit anfangen. Auf drei Dinge kommt es dabei an: eine Schaufel, eine Sonde und ein so genanntes LVS-Gerät, wobei LVS für Lawinenverschüttetensuche steht. Viele sagen zum LVS-Gerät auch einfach „Piepser“ und bevor es in den Schnee geht, so unser Ausbilder vom DAV Freiburg, habe sich jeder von der Funktionstüchtigkeit seines Piepsers zu überzeugen. Und damit umgehen können, muss man auch. Man könne das gar nicht genug betonen. Das sei enorm wichtig. 

Schon klar, denke ich etwas ungeduldig, genau deswegen bin ich ja schließlich hier: Um die Bedienung eines LVS-Geräts zu lernen. „Hier“ heißt im Schwarzwald, genauer gesagt auf dem Schauinsland. Nicht gerade Lawinengebiet Nummer eins, aber wir sind ja auch nur zum Üben hier und außerdem hat es immerhin in der vergangenen Nacht geschneit. Wir stehen daher in etwa 20 Zentimeter Neuschnee auf unserer Kuhweide und dann geht es auch schon los. 

Lawinenverschüttetensuchende auf der Kuhweide

Fünfzehn Minuten. Wer länger als fünfzehn Minuten unter einer Lawine begraben bleibt, dessen Überlebenschancen sinken rapide. Daher gehe ich, meinen von einem Freund ausgeliehenen Piepser in der Hand, nicht über unsere Kuhwiese, sondern renne und zwar wie geheißen im Zickzack. Dabei versuche ich, ein möglichst realistisches Lawinenszenario nachzustellen. Was einerseits schwierig ist: Nichts hier sieht aus wie Ernstfall. Andererseits gibt es da ja bekanntlich diesen guten Ratschlag. Akzeptieren, was ich nicht ändern kann. Ändern, was ich ändern kann. Zu den Dingen, die ich nicht ändern kann, zähle ich Schneelage, Wetterlage und Gelände. Zu den Dingen, die ich ändern kann, zähle ich mich. Beziehungsweise meine Einstellung. 

Ich arbeite an meiner Einstellung unter Zuhilfenahme eines in der Schnittmenge aus Gamification, Prokrastination und Ethik angesiedelten Gedankenexperiments namens Trolley-Problem. Sie haben bestimmt schon davon gehört. Das Problem gibt es in verschiedenen Varianten, oft geht es darum, ob ein fahrerloses Auto lieber ein Kind überfahren soll oder einen Obdachlosen. Vor einigen Jahren war eine andere Version populär, damals galt es abzuwägen zwischen einem entführten Passagierflugzeug und einem Stadion voller Fußballfans.  

Ich auf meiner Kuhweide denke mich in ein anderes Dilemma. Auf die Idee bin ich gekommen, als ich vorhin gelernt habe, dass moderne Piepser nicht nur ein Suchsignal senden können, sondern zusätzlich auch personenbezogene Daten. Das hat Folgen: Wer heute Lawinenopfer sucht, weiß nicht nur, dass da unten jemand liegt, sondern auch wer. Diese Innovation verwandle ich in Motivation. Da unten, denke ich mir, liegt nicht irgendein mir unbekannter Tourengänger, sondern, sagen wir, meine gesamte Familie. Und ich suche jetzt nach ihren Signalen. Auf meinem Display erscheinen dann die zugehörigen Namen. Und dann darf ich entscheiden: Wen grabe ich aus und wen lasse ich erst einmal liegen?   

Meine Einstellung ändert sich sofort. Ich – der Typ, der manchmal auf dem Parkplatz zwischen einem Carsharingauto und zwei Kindersitzen steht und am liebsten davonlaufen würde, weil ich nicht weiß, welchen Sitz ich auf welcher Seite einbauen soll – bin nun nicht mehr auf der Kuhweide, ich bin jetzt tief in den Alpen; ich suche nicht irgendein Schneehäuflein, ich suche meine Kinder; das hier ist kein Gaudi, es ist ein Kampf gegen den Weißen Tod. Die Zeit läuft, ich laufe, aber ich finde einfach kein Signal.  

Und dann ist die Zeit auch schon rum. 

Meine verschüttete Tochter (Symbolbild)

Atem- und ratlos stehe ich nun neben dem Schneehäuflein, das eben noch eine meiner Töchter war oder meine Frau. Unser Übungsleiter steht auch dabei. Auch die anderen Kursteilnehmer sind gekommen. Insgesamt sind wir acht. Wir stehen im Kreis. Keiner von uns kann sich erklären, was da gerade passiert ist, warum ich kein Signal gefunden habe. Jeder von uns zeigt mit ausgestreckten Arm auf den gleichen Punkt im Schnee in unserer Mitte, in der Hand, als würden wir versuchen, ein Bluetoothverbindung mit dem Schnee aufzunehmen, unsere LVS-Geräte, aber niemand von uns empfängt ein Signal. Der DAV-Lawinenpiepser, er bleibt stumm.  

Wir haben es versemmelt, Mittagspause. 

Nach der Mittagspause fangen wir unser Geländespiel von vorne an, dieses Mal mit Fokus auf das, was unsere Ausbilder die Feinsuche nennen. Feinsuche ist, wenn der Suchende das Signal des Verschütteten empfangen und sich bereits auf fünf Meter oder so genähert hat und dann die exakte Position bestimmt. Bei der Feinsuche soll man sich nicht schnell bewegen, sondern langsam. Eine genaue Positionsbestimmung, so lernen wir, dauert. Wir sollen den Geräten Zeit lassen. Und genau arbeiten. Nicht einfach irgendwo anfangen zu graben. Denn liegt der Verschüttete ein paar Meter tief unter dem Schnee, reicht schon eine kleine Ungenauigkeit bei der Suche und man buddelt am Opfer vorbei. Und Abweichungen gibt es, weil das Signal in Feldlinien verläuft, so lange, bis man sich praktisch direkt über dem Verschütteten befindet.  

Dann lernen wir noch sondieren, also mit einer langen Stange in den Schnee piepsen und erspüren, ob die Spitze auf Grund trifft oder auf Mensch und buddeln, allerdings, weil halt kaum Schnee liegt, jeweils nur theoretisch, also gar nicht. 

Mehr habe ich nicht behalten und wer genauer wissen will, wie man andere aus Lawinen rettet, kann sich das entweder anlesen oder besucht selber einen LVS-Kurs. Oder besser mehrere. Denn ein einziger Tag wie wir ihn auf dem Schauinsland verbracht haben, reicht gerade mal für Grundkenntnisse. Wer richtig ein richtiger Lawinenretter werden will, braucht noch viel mehr Ausbildung und vor allem viel von dem, was eigentlich keiner hier jemals sammeln will: praktische Erfahrung.  

Nachtrag:  

Macht Sie dieser Text unzufrieden? Vielleicht weil da noch eine wichtige Information fehlt? Weil jetzt einfach offen geblieben ist, wie es sein konnte, dass der vergrabene Lawinenpiepser nicht funktionierte. Und dann auf einmal irgendwie wohl doch?  

Dann geht es Ihnen wie mir.  

Ich habe jetzt drei Tage lang darüber nachgedacht und bin zu folgendem Ergebnis gekommen. Es gibt eine Erklärung dafür, warum der vergrabene Piepser kein Signal gesendet hat, aber dieser Grund ist keine technische Störung. Auch menschliches Unvermögen möchte ich gerne ausschließen. Stattdessen schlage ich eine andere Erklärung vor.  

 Und die geht so. Ein wichtiges Kursziel, das ich ja auch ganz an den Anfang dieses Texts gestellt habe, lautete: Man soll sich von der Funktionsfähigkeit seines LVS-Geräts überzeugen und man soll damit umgehen können. Ich vermute nun, dass diese wichtige Information, wenn mit dem Gerät alles glatt gelaufen wäre, einfach untergegangen wäre. Erst dadurch, dass es NICHT funktioniert hat, wurde uns klar, wie wichtig es ist, dass es funktioniert. Die DAV-Ausbilder sind also nicht nur echte Bergfüchse, sondern auch didaktisch clever. Trau da oben nichts und niemanden. Auch nicht dem DAV. Nicht einmal uns Ausbildern. So muss es gewesen sein, eine andere Erklärung kann ich mir wirklich nicht vorstellen. Die Botschaft ist angekommen. Danke. 

… nichts begriffen

Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten.

Wer nichts zu befürchten hat, hat nichts zu verlieren.

Wer nichts zu verlieren hat, hat nichts zu lieben.

Wer nichts zu lieben hat, hat nichts…

(Ich habe dieses Gedicht – ist das eigentlich ein Gedicht? – leicht umgeschrieben, nachdem ich es im Literaturhaus Freiburg kurz vorgetragen habe und mir gesagt wurde, der bessere Schluss sei der, der da jetzt steht. Fand ich eigentlich auch schon immer. Allerdings fand ich auch schon immer, dass „Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts begriffen“ die wichtigste Zeile ist: Wenn ich nur eine Zeile Platz hätte, die wäre es. Aus dem Grund wollte ich auf das „nichts begriffen“ nur sehr ungern verzichten. Bis mir einfiel, ich könne „Nichts begriffen“, wenn es mir schon so wichtig ist, ja auch gleich als Titel nehmen. Von da war es nur noch ein kurzer Schritt zu den (…) am Anfang und vor dem Titel und zack: fertig.)

Warum ab morgen alles besser wird!

Mit Prognosen für die Zukunft bin ich ja sonst eher zurückhaltend, vor allem, wenn sie mich selbst betreffen, aber in diesem Fall wage ich dann doch eine Ausnahme, weil Statistik.

Ich behaupte also: ab morgen wird alles besser.

Beziehungsweise, nicht ich behaupte das, sondern die Psychologin Pasqualina Perrig-Chiello. Im Interview mit GEO sagt sie, es habe sich „immer wieder herausgestellt, dass die Kurve von Lebenszufriedenheit und Wohlbefinden U-förmig verläuft – unabhängig von Familienstand, Einkommen oder Geschlecht.“ Weiter sagt sie, „in der Jugend fühlen sich Menschen tendenziell stark und zufrieden, leben beflügelt von Hoffnungen und großen Erwartungen. Ab Mitte 30 aber beginnen sie, Wunsch und Wirklichkeit immer häufiger zu vergleichen – und das Glücksgefühl nimmt stetig ab, bis es einen Tiefpunkt erreicht.“

Und war im Alter von  46 Jahren. Also: Schöne Grüße aus der Talsohle. Ab morgen geht’s bergauf!

 

Nichts zu verbergen

Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten.

Wer nichts zu befürchten hat, hat nichts zu verlieren.

Wer nichts zu verlieren hat, hat nichts zu lieben.

Wer nichts zu lieben hat, hat nichts.

 

Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts begriffen.

Einmal über die Alpen fahren mit dem Fahrrad, Teil I

Eben dem Deutschen Alpenverein ein Interview gegeben zu meinem Lieblingsthema: mich. Die letzte Frage war: „Welche Tour wolltest du schon immer mal machen.“ Meine Antwort: “Ganz klar: Transalp per Mountainbike. Vor der Geburt unserer Großen dachten wir, wir machen das ganz gemütlich in der Elternzeit mit dem Hänger. Kam dann aber doch anders. Jetzt muss ich mich halt noch etwas gedulden, bis die Kinder groß genug sind, die Tour selbst zu fahren oder mal irgendwo ins Ferienlager gehen.

Ich finde meine Antwort insofern clever, als dass es jetzt raus ist und das nicht nur irgendwie, sondern im offiziellen Organ des hierzulande für Bergsport zuständigen Vereins. Damit ist es sozusagen amtlich und für alle einsehbar: Mathias Röckel will mit dem Velo über die Alpen.

Viel mehr gibt es dazu, auch wenn wir hier nicht print machen, sondern online und damit keinerlei Zeichenbeschränkung unterliegen, im Moment nicht zu sagen. Vielleicht noch, dass ich gerne daheim starten und im Tessin ankommen würde. Oh, und natürlich, dass ich nicht glaube, dass ich vor 2022 dazu kommen werde.

Wie war’s bei „Mach mit: Freiburg digital gestalten“?

Weil wir in ja jetzt in Freiburg, erstens, einen Mitmach-OB haben und ich, zweitens, doch so schlecht Nein sagen kann, habe ich beim Workshop „Digital Freiburg“ mitgemacht.

Und so war’s:

Vorgestellt habe ich mich in meiner Arbeitsgruppe als Spaßbremse. Und gleich mal angekündigt, dem Aufruf „Ideen first, Bedenken second“ nicht folgen zu wollen.

Warum?

Nicht um mich von der FDP zu distanzieren. Sondern weil ich seit Kurzem auch an der Schule unserer Großen als Elternbeirat tätig sei und dort, als wir erstmalig mit allen anderen Beiräten zusammen saßen und anstehende Ämter und Aufgaben verteilten, festgestellt habe: Alle Eltern seien sehr engagiert bei der Sache, auf jede Aufgabe kämen mehrere Freiwillige, Ideen galore und niemand scheue davor zurück, Freizeit für die gute Schule zu verwenden. Nur bei einer Aufgabe würden alle betreten zu Boden schauen: einen E-Mail-Verteiler einzurichten.

Darum gebe es, Stand 2018, ein weiteres Jahr an unserer Freiburger Grundschule weiterhin keine offiziellen elektronischen Kommunikationskanäle. Eine digitale Offensive hätte ich mir immer anders vorgestellt. So in etwa mein Debattenbeitrag. Tja.

Bildung, Wissenschaft, Kultur

Oberthema meiner Gruppe, Tisch 9, war „Bildung, Wissenschaft, Kultur“ und schnell kristallisierte sich heraus, dass das „digitale Klassenzimmer“ tatsächlich die Idee sein würde, die wir hinterher in der großen Runde vorstellen würden. Nicht mein Verdienst, von den anderen am Tisch kamen wesentlich visionärere Ideen, und so fanden auch die hipperen Buzzwords ihren Platz auf unserem Chart: Lernmaterial in die Cloud, clevere Lizenzierung, Kindle Flashcards, vom Konsumenten zum Prosumenten und, ursprünglich als eigene Idee gestartet, aber dann einfach in das digitale Klassenzimmer integriert, natürlich: Kompetenzen entwickeln.

Damit konnte ich gut leben. Zumal ich unsere Idee nicht pitchen musste. Womit wir schon bei der Vorstellung der Ergebnisse wären. Insgesamt fünfzehn Teams präsentierten Ihre Ideen in je 90 Sekunden. Den weitaus größten Teil nahmen „Bildung, Wissenschaft, Kultur“ ein. Was ja auch schon mal ein Statement ist: „Die Prioritäten der Freiburger*innen sind ziemlich deutlich“, schrieb Dejan Mihajlovic auf Twitter.

Manche Ideen fand ich auf Anhieb gut, beispielsweise die vom „Haus der digitalen Kultur“, einem, unter anderem, Makerspace für alle.

Braucht Freiburg ein „Haus der digitalen Kultur“?

Bei anderen, beispielsweise der Gesundheits-App, die Patientendaten bündelt und Gesundheitstipps gibt, müsste ich noch einmal genauer darüber nachdenken, inwiefern dieses Thema auf lokaler Ebene angegangen werden könnte.

Braucht Freiburg eine Gesundheitsapp?

Smart Green City

Bei einer Idee war ich spontan begeistert: Freiburg als Smart Green City!

Bevor Martin Horn Oberbügermeister von Freiburg wurde, hatten wir ja mit Dieter Salomon einen grünen OB. Mit seiner Amtszeit verbunden ist das Schlagwort von Freiburg als Green City. Ob das so noch stimmt (oder überhaupt je gestimmt hat), darüber lässt sich streiten, man zähle nur mal die Autos, die im so genannten autofreien Stadtteil Vauban herumfahren oder -stehen. Aber das Image hat einige Jahre gut gezogen und noch haftet es.

Mit der Idee der Smart Green City könnte sich Freiburg sein Image erneuern und wieder einmal versuchen, sich als Musterstadt zu etablieren. „Entscheiden dafür sind Forschung, (Weiter-)Bildung, Wissenstransfer vor Ort“ haben die Menschen von Tisch 13 dazu notiert.

Soll Freiburg zur „Smart Green City“ werden?

Wie geht es weiter?

Digitalisierung ist nicht irgendwann zu Ende, sondern ein Prozess, hat Martin Horn sinngemäß gesagt und dass die Veranstaltung kein singuläres Ereignis gewesen sein soll. Die hier entstandenen Ideen werden, gemeinsam mit Ideen, die in anderen Runden ausgearbeitet wurden, in den nächsten Wochen weiterverfolgt. Der Prozess ist, vorbildlich, vorbildlich, offen, wer mitmachen will: https://mitmachen.freiburg.de/stadtfreiburg/de/home

Was unser digitales Klassenzimmer angeht, bleibe ich auf jeden Fall dran, als Elternvertreter. Für eine Sache war der Abend nämlich auf jeden Fall schon gelungen. Zu den Bedenken, die ich hatte, zählte nämlich die des Budgets. Im Wahlkampf war nämlich der Zustand der Toiletten an manchen Schulen in Freiburg thematisiert worden. Manche Schüler, hieß es, trauten sich schon gar nicht mehr, in der Schule aufs Klo zu gehen und tranken aus dem Grund auch nichts mehr – und bei aller Liebe zum Digitalen. Vor die Wahl gestellt, meinem Kind ein Klassenzimmer WLAN oder eine brauchbare Toilette zu bieten, müsste ich nicht lange nachdenken.

Die Entscheidung muss, wie ich am Rande herausfand, jedoch nicht getroffen werden. Für ihre digitale Strategie stellt die Stadt ihren Schulen wohl ein eigenes Budget zur Verfügung.

Man muss es halt nutzen.

Doch keine Frage: Digitales Klassenzimmer oder brauchbares Klo?

Expectations managen

Eben mit einem Kunden telefoniert, der ein kleines Projekt durchsprechen wollte. Nicht dass es besonders komplex gewesen wäre, Gesprächsbedarf bestand in erster Linie aufgrund einer gewissen Dringlichkeit: Der Kunde hat einen Kunden, der einen Auftraggeber hat, der gerne heute noch und so weiter. Sie kennen das, alles nicht besonders aufregend und schon gar keinen Blogeintrag wert.

Wäre da nicht die wunderbare Formulierung gewesen, mit der sich der Kunde, dem natürlich rechtzeitig geholfen werden kann, aus dem Gespräch verabschiedete. Die geht so: „Verbleiben wir so: Du kümmerst dich um den Text und ich rufe in der Zwischenzeit dort an und manage die Expectations.“

Die Expectations managen.

Es ist jetzt schon ein gutes halbes Stündchen her, dass ich das mit dem Text geregelt habe und wahrscheinlich sind im Rest der Republik auch die Expectations bereits erfolgreich gemanagt, aber ich kichere immer noch über diese wunderbare Formulierung: die Expectations managen.

Ich kann gar nicht anders, mir fallen seit dem Telefonat ständig neue Möglichkeiten ein, wo ich diesen wunderbaren Satz unterbringen könnte.

Ganz besonders freue ich mich auf’s Abendessen: „Schatz“, werde ich sagen, „verbleiben wir doch so: Ich kümmere mich darum, dass das Abendessen auf den Tisch kommt.“ Pause, Spannung, vage Handbewegung in Richtung hungriger Kinderschar: „und du managst in der Zwischenzeit die Expectations.“

Die Expectations managen. Was für eine tolle Bereicherung für meinen Wortschatz, was sage ich, für unser gesamtes Familiengefüge!

 

 

Ein Buch schreiben, VI

Über den Räuber Hotzenplotz hat Susanne Preußler-Bitsch einmal gesagt, ihr Vater habe den nur geschrieben, weil er sich am Krabat „festgeschrieben“ habe. Otfried Preußler habe seiner Verlegerin fürs Frühjahr das Manuskript versprochen, aber um Weihnachten gemerkt, das mit dem Krabat ging nicht. Zumindest nicht so schnell. Also schrieb er eben den Hotzenplotz und zwar in 55 Tagen.

Bei mir ging es um die Weihnachtszeit herum auch nicht recht weiter mit der Geschichte von Leah, Stefan und dem Nichts. Viel gelöscht habe ich und umgeschrieben. Vor allem den Titel, der ja, das weiß der Profi, bis zur Ankündigung der Veröffentlichung nie ein Titel ist, sondern immer nur ein „Arbeitstitel“.

Ich weiß nicht einmal mehr, welcher Arbeitstitel, der Profi spricht übrigens gerne vom „AT“, der aktuelle ist. Ich muss das mal eben nachschauen. Es ist nicht „Leah“ und auch nicht „Nichts“, sondern: „Warum uns deine Mutter verlassen musste und woher das ganze Geld kommt.“

Es gab aber noch einen weiteren Grund, warum es mit Leah und ihrem ganzen Geld vor Weihnachten nicht weiterging und der war, dass ich Kerstin Brömer den Auftrag erteilt hatte, mein Manuskript zu lektorieren. So richtig. Als käme es drauf an. Hat sie dann auch gemacht, aber das geht eben auch nicht von heute auf morgen, sondern dauert ein paar Tage, ich glaube, es waren 55, und während ich auf Kerstins Urteil wartete, fing ich an schon mal an, eine andere Geschichte zu schreiben.

Den AT dieser Geschichte weiß ich auswendig: „Neugier war der Anfang.“

Das durstige Hubbelreh

Heute beim Biken am Rosskopf ein Reh gesehen. Was ja jetzt nicht so ungewöhnlich ist. Ungewöhnlich schien mir zunächst allenfalls der Ort: Direkt vor dem „Hubbelfuchs“-Schild.

Prima Foto, war mein erster Gedanke, denk dir mal einen flotten Spruch dazu aus von wegen Hubbelfuchs/Hubbelreh und gut ist.

Dann fand ich es merkwürdig, dass das Reh es überhaupt nicht eilig zu haben schien. Wo Rehe doch normalerweise, wenn sie einen Menschen treffen, mit zwei, drei Sätzen im Gehölz verschwinden.

Nicht so dieses Reh.

Dieses Reh tüddelte eher vor sich hin. Es hielt zwar Distanz zu mir, aber wirklich wichtig schien es ihm nicht, sich vor mir in Sicherheit zu bringen. Ich überlegte, ob es wohl verletzt war? Schien mir nicht so.

Und dann kam mir ein Gedanke, den ich mit Leuten, die sich besser auskennen als ich, teilte und die mich darin bestätigten: Das Reh wird wohl ziemlich durstig gewesen sein. Es ist ja auch wirklich trocken zur Zeit im Wald.

Ich hoffe schwer, dass es bald mal wieder so richtig regnet!