Wie war’s in Hamburg?

Es ging schon mit der Anreise los. Strecken wie die von Freiburg nach Hamburg lege ich grundsätzlich mit dem Zug zurück. Der fuhr auch wie geplant, also pünktlich, am richtigen Bahnsteig und in der richtigen Reihenfolge ein. Ich verfügte über eine Platzkarte, fand meinen Sitz unbesetzt und ließ mich nieder.

Der Zug war nur etwa zur Hälfte gefüllt, der Platz neben war frei und blieb das auch. Mit im Abteil saßen lauter unauffällige Menschen, darunter ein Vater mit seiner etwa fünfjährigen Tochter, die sich mal selbst, mal mit ihrem Vater und mal mit den Mitreisenden beschäftigte.

Ich las, ich aß, ich trank, WLAN satt und der Schaffner begrüßte uns Reisende mit einem landschaftlichen „Moin“ und auch die Toiletten gaben keinen Anlass zur Beschwerde. Im Gegenteil, ich freute mich über das Blumenmotiv im Fenster und machte davon ein Bild.

In Hamburg war was los. Lauter gut gelaunte und auffällig angezogene Menschen. Die einen bildeten den Schlagermove, die andern den Triathlon. Die Ordnungskräfte hatten keinen Grund, in Erscheinung zu treten.

Ein am Straßenrand stehendes Autowrack war offensichtlich ausgebrannt, aber mit dem vor einer Woche hier ebenfalls über die Bühne gegangenen Gipfeltreffen mochte das nichts zu tun haben.

Mit irgendwelchen Krawallen, die ich ohnehin nur aus den Medien kannte, versicherte mir Herr Schmidt, den ich in Hamburg besuchte und den Sie vielleicht noch aus meinem Triathlonbuch kennen, habe das sicher nichts zu tun. Davon sei schon am nächsten Morgen nichts mehr zu sehen gewesen. Ob er Recht hat oder nicht, sei dahingestellt, ist für Leute wie mich aber auch egal. Für einen wie mich ist so ein ausgebranntes Auto in erster Linie ein tolles Motiv. Achten Sie mal auf das Zusammenspiel von Wrack, Wandmalerei und Radlerin!

Am Elbstrand genossen wir einen Sundowner oder zwei, weshalb ich, als ich merkte, dass die Elbe mir einen Schuh genommen hatte, zu lachen anfing. Verbrachte ich den Rest meines Aufenthalts in der Stadt eben barfuß, nahm ich mir vor, was auch gut gelang, weil es warm war und lange hell blieb es auch, sodass sich das mit dem Sundowner ganz unerwartet etwas zog.

Das nächste Bild war übrigens schon am Nachmittag entstanden. Es passt also chronologisch nicht ganz rein, aber hey, an so einem Wochenende in Hamburg gehört es sich, auch mal  fünfe gerade sein lassen, also:

Wie es also war in Hamburg? Heimelig war’s. Ich hoffe, ich kehre wieder.

(Ich weiß, das Bild hat Schlagseite. Aber, hey, Hamburg und Schlagseite? Wollen Sie da jetzt wirklich so pingelig sein, hm? Dann sollten Sie vielleicht auch mal so ein entspannendes Wochenende in der Stadt an der Elbe verbringen. Vielleicht werden Sie dann ein bisschen lockerer?)

Wie war’s beim Schluchsee-Triathlon?

Bei mir auch schon wieder sechs Jahre her, macht aber nichts, denn der Schluchsee-Triathlon ist jedes Jahr. So auch wieder am kommenden Wochenende.

Ich kann die Teilnahme nur jedem empfehlen, der Gewinner kriegt einen Preis und alle anderen können eine Geschichte erzählen. So wie die hier*:

Einkaufen gewesen, weil Equipment, Equipment, Equipment.

Die Modelle Wind Gun und Xtreme Midget schieden sofort aus. Ich will im Notfall nicht mit einer Pistole dastehen, die Wind verschießt. Ich glaube auch nicht, dass ein Zwerg, der es für „xtreme“ hält, den grundsoliden Buchstaben E zugunsten des reißerischen X zu killen, die charakterlichen Voraussetzungen mitbringt, um die Rolle des freundlichen Pannenhelfers auszuüben. Daher blieben Windpistole und Extremzwerg im Regal.

Was gab es denn sonst noch so?

Eine ganze Reihe Produkte aus dem Hause Topeak. Eigentlich gefielen sie mir ganz gut, reduziertes Design, Verzicht auf Schnickschnack, und hätte sich der Hersteller damit begnügt, für mein eigentlich recht simples Problem genau eine solche Lösung anzubieten, ich hätte ohne zu zögern zugeschlagen.

Aber nein, ich sollte wählen und ich wähle nun mal nicht gerne, schon gar nicht zwischen Joe Blow Ace, Joe Blow Sport, Joe Blow Sprint, Joe Blow Mountain, Joe Blow Max und Joe Blow Pro.

Außerdem gab es ja noch den RaceRocket Master Blaster. Was für ein Name. Vorne mit Alliteration, hinten gereimt und zwischendrin ein Binnenmajuskel. Ich sagte ihn laut vor mich hin: „RaceRocket Master Blaster.“

Ich versuchte ihn zu übersetzen. Race heißt Rennen, Rocket ist die Rakete, Master der Meister und Blaster hat, glaube ich, irgendetwas mit in die Luft sprengen zu tun – und das alles für nur 30 Euro.

Schwer beeindruckt erwarb ich das Teil und eilte nach Hause, mit dem RennRaketen-Meister-Sprenger mein Fahrrad aufpumpen.

*Auszug aus: Mathias Röckel: Letzter – Notizen eines Triathlon-Novizen. Spomedis 2012. http://www.spomedis.de/letzter

Illustriert von Oliver Look.

Wie war’s bei Peter Härtling?

Peter Härtling kenne ich schon ewig. „Theo haut ab“, meinetwegen sogar, wenn auch nur heimlich, „Ben liebt Anna“ und natürlich und vor allem „Alter John“. Es war also keine Frage, dass wir in s’Lädeli gehen, wenn der Härtling kommt und liest. Passiert schließlich nicht alle Tage, dass sich so ein großer Mann in unsere kleine Stadt verirrt und dann noch ausgerechnet in unsere Straße.

s’Lädeli schreibt man übrigens tatsächlich so. In der Schule behaupte ich immer, das sei eine ganz normale Buchhandlung und eigentlich ist es das ja auch. Je nachdem, wer gerade da ist, dauert es vielleicht ein bisschen länger als beim Maurath oder beim Poltier, bis die das mit den Bonus-Zetteln verstanden haben, aber die Bücher kommen immer pünktlich zum Schulbeginn und wenn der Oli nur einen Hunderter hat, muss er eben schauen, wo er den vorher wechseln kann.

Man muss solche Läden unterstützen. Das gehört sich so. Darum werden wir, wenn es noch hat, auch wieder eines dieser Brote kaufen, die so hart sind und die so lange halten. Schmeckt mir zwar nicht, aber wenn meine Familie das unterstützen mag, unterstütze ich das natürlich mit. Ich muss es ja nicht essen. Ich nenne das Brot: Dieter-Furz-Brot. Dieter, weil der Chef vom Lädeli Dieter heißt, wobei ich mir eigentlich gar nicht sicher bin, dass es so was im Lädeli gibt: einen Chef.

Was es im Lädeli allerdings ganz bestimmt gibt, ist die „Unendliche Geschichte“ als Minibuch, mit Minibuchstaben, die teilweise auch verschmiert sind, sodass man die Schrift eigentlich kaum lesen kann, aber dafür kostet das Buch dort auch nur fünf Mark. Es handelt sich dabei um eine Raubkopie und, wie ich finde, muss man auch Raubkopien unterstützen. Es gibt hier auch Asterix-Hefte, die es nirgendwo sonst gibt. In denen kämpfen Asterix und Obelix nicht gegen Römer, sondern gegen Atomkraftwerke.

Was es hier auch gibt, sind Menschen, die Birkenstock tragen, was ich mir, außerhalb meiner Familie, eigentlich gar nicht vorstellen kann. Ich falle hier also nicht auf, was aber auch daran liegt, dass außer meiner Mutter und mir, der Fotografin von der Badischen und natürlich dem Dieter komischerweise überhaupt niemand gekommen ist.

Abgesehen natürlich vom Härtling.

Der Härtling begrüßt alle persönlich und erzählt noch ein bisschen von sich, bevor er endlich mit Vorlesen anfängt. Er liest aus seinem neuesten Buch: „Alter John“. Obwohl ich das Buch schon mehrfach gelesen habe, lerne ich gleich am Anfang etwas dazu. Das Buch heißt gar nicht so, wie ich immer gedacht habe. Der Härtling spricht John nämlich nicht wie Dschonn, sondern wie Jahn mit O: Joohn.

Obwohl ich das Buch schon mehrfach gelesen habe, höre ich sehr gerne zu. Der Härtling kann so toll vorlesen. Wenn ich selber lese, klingt die Sprache, der der Alte John spricht, wie ausgedacht, aber hier klingt das auf einmal richtig und lebendig. Toll.

Viel zu früh ist es vorbei, aber darüber bin ich nur kurz traurig, denn jetzt kommt das Beste. Jetzt darf ich dem Härtling meinen Alten John geben und er wird etwas für mich reinschreiben. Eine Widmung.

Dass ich morgen Geburtstag habe, sage ich ihm und dass ich elf werde. Dann werde ich bestimmt wieder gefragt, was ich mal werden will, wenn ich groß bin und ich werde, wie immer, sagen, dass ich das noch nicht weiß. Dabei weiß ich es natürlich ganz genau. Dem Härtling würde ich es vielleicht verraten, aber der fragt mich nicht, was ich eigentlich auch viel besser finde. Er schreibt einfach nur in mein Buch, gibt es mir zurück und ist dabei, wie überhaupt den ganzen Abend über, sehr freundlich. So freundlich, dass ich mich bestimmt noch in vielen, vielen Jahren daran erinnern werde.

Wird ein Buch daraus? IV

Wenn ich das mal nicht aus der Ego-Perspektive betrachte, ist das alles gar nicht so schlimm. Volkswirtschaftlich betrachtet zum Beispiel ist das sogar sehr, sehr gut. Dem Bruttoinlandsprodukt ist es bekanntlich egal, was hinter einer Wertschöpfung steckt.

Vor dem BIP sind alle Umsätze gleich. Egal, ob Sie von Ihrem Geld Blumen für die Frau kaufen oder es ins Wirtshaus tragen, egal, ob wir mit unseren Steuern neue Gefängnisse bauen oder Kitas: Sobald Geld fließt, steigt das BIP.

Wenn ein Buch daraus wird und Kerstins Schreckensszenario tatsächlich eintritt, wonach sich „gewisse Personen“ angegriffen fühlen und besagte Summe von mir (oder meinem Verlag) fordern dürften: Für’s BIP wäre das großartig.

So betrachtet ist mein Manuskript kein 20-Millionen-Euro-Risiko, sondern eine 20-Millionen-Euro-Chance. So betrachtet gefällt mir das gleich viel besser.

 

Wird ein Buch daraus? III

Weil, wer fragt, auf eine Antwort gefasst sein muss, verzichte ich oft aufs Fragen, weil: lieber ahnungslos und ungeniert als andersrum, aber mit der Einstellung wird natürlich kein Buch daraus, also habe ich jemanden gefragt.

„Wird ein Buch daraus?“
„Nein.“
„Aha.“

Natürlich habe ich nicht irgendjemanden gefragt, sondern jemanden, der sich auskennt, beziehungsweise, die sich auskennt. Die Tipps geben kann. Dem Leser mehr Orientierung geben. Dialoge trimmen. Mehr Zeitangaben. Leerzeilen raus, neue Absätze mit Einzug beginnen. Solche Sachen, die total wichtig sind und dem Manuskript gut tun würden und die, wenn ich sie alle umgesetzt haben werde, nichts daran geändert haben werden, dass kein Buch daraus wird.

„Warum wird kein Buch daraus?“
„Weil du keinen Verlag finden wirst, der bereit ist, ein Risiko von, ins Blaue hinein gesagt, 20 Millionen Euro zu tragen.“

Das verstehe ich. 20 Millionen sind viel Geld. So viel möchte ich niemandem schulden und ich will auch nicht, dass jemand meinetwegen jemand anderem so viel schuldet.

Jetzt möchten Sie bestimmt wissen, was an meinem Manuskript so brisant ist, dass es als 20-Millionen-Euro-Bombe angesehen werden muss? Nun, ich könnte es Ihnen sagen, aber diese Auskunft müsste ich in Rechnung stellen. Den Betrag können Sie sich denken. Also lassen wir das lieber.

Wie es jetzt weitergeht? Das wüsste ich auch gerne.

Wenn Sie auch einmal mutig genug sind, jemanden mit Ahnung um Rat zu fragen: Kerstin Brömer hat Ahnung.

Wie war’s in Berlin?

„Sind wir in Berlin?“
„Ja.“
„Sicher?“
„Ja.“
„Ehrenwort?“
„Ehrenwort.“
„Großes Ehrenwort?“
„Wieso fragst du eigentlich?“
„Ich weiß nicht, ob wir in Berlin sind. Ich fühl’ mich nicht so.“

Berlin: „Ich fühl‘ mich aber nicht so.“

Wir sind aber in Berlin. Kurzurlaub. Freunde treffen, mit dem Schiff über die Spree, mal ins Museum und, ganz wichtig, weil, sonst kann man’s ja gleich lassen, aufschreiben, wie es in Berlin ist.

Aufschreiben, wie es in Berlin ist. Das wollte ich schon mal. Sieben Jahre hatte ich dafür Zeit. Geschrieben habe ich: nichts. Zumindest nichts, was fertig geworden wäre. Was ja streng genommen auch nicht verwunderlich ist, denn wie soll man je mit einem Bericht über etwas fertig werden, was selber nicht fertig wird?

Daher nun also der Versuch im Kleinen: Drei Tage sind überschaubar. Ein Bericht über drei Tage Berlin, das müsste doch zu schaffen sein. Vor allem, wenn man, wie ich, einen Plan hat. Der Plan lautet, gar nicht erst versuchen, mir selbst Gedanken über diese Stadt zu machen. Ich würde einfach ab- und aufschreiben, was die andern von sich geben. Vor allem Hauptsätze, in denen es irgendwie um Berlin geht. Die würde ich sammeln, in eine lustige Reihenfolge bringen und fertig wäre meine Collage „Berlin, Fronleichnam 2017.“

„Natürlich bin ich hart, wir sind ja in Berlin. Berlin ist schon vor Jahren auf den Hund gekommen. Im ersten Quartal dieses Jahres sind deutlich mehr Berliner Unternehmen in die Insolvenz gegangen als im Vorjahreszeitraum.“

So in der Art. Das ist jetzt noch nicht der Burner, aber wir sind ja auch gerade erst angekommen. Da kommen bestimmt noch mehr Sätze. Man muss die gar nicht lange suchen und das Ergebnis würde sich wie von selbst einstellen, meine Textcollage würde so vielfältig, widersprüchlich und unterhaltsam wie die Stadt selbst.

Damit wäre dieses nervige To-Do „Das mit Berlin aufschreiben“ endlich, endlich abgehakt, ich könnte meinen Frieden machen mit der Stadt und hätte das restliche Wochenende frei.

„Wie fühlt man sich denn in Berlin?“
„Ich weiß nicht? Irgendwie: glücklich? Aber ich fühl’ mich nicht so.“

Ich schaue meine Tochter an. Hat die gerade mal eben so meinen Job erledigt?

Das große Versprechen „Berlin“, der hoffnungsvolle Aufbruch, all die Möglichkeiten und die Ernüchterung, weil niemand der Stadt jemals ebenbürtig sein wird, die Erkenntnis, dass ich mich durch Anwesenheit in Berlin nicht automatisch in eine bessere, eine glücklichere Version meiner selbst verwandele, die Zweifel an der Stadt, die Zweifel an sich selbst, die Zweifel an sich selbst in dieser Stadt.

All das hat sie gerade in ein paar kurze Sätze gepackt.

„Berlin. Jetzt bin ich hier und weiß nicht: Ist das richtig, so?“ Wie viele Menschen das wohl gerade denken?

Selbst wenn ich noch sieben Jahre über dem ultimativen Berlintext brüte, besser und vor allem konziser als meine Große es bei ihrem allerersten Aufenthalt in Berlin ausdrückt, bekomme ich das nicht hin.

Meine Arbeit hier ist getan.

Der Rest ist: Mal ins Museum, mit dem Schiff über die Spree und, ganz wichtig: Freunde treffen. Letzteres funktioniert übrigens ganz unabhängig von der Frage, ob wir uns jetzt in Berlin befinden oder im Tessin oder in Riga und ist vielleicht nicht immer die Abkürzung zum großen Glück, hilft mir aber immerhin dabei, mal wieder ganz albern zu kichern – und mehr braucht es dann eigentlich auch gar nicht.

What Can Blockchain Do For You?

The Internet as we know it is difficult to control. Once a text, image, video, or piece of content is posted online, it is hard to manage what happens to it. Think of malware, for instance. Malware is “in the wild,” meaning it can show up anywhere at any time and is difficult to contain, control, or even track. Songs, movies, software – just about anything can be replicated and distributed by nearly anyone at almost zero marginal cost.

At the same time, data can be manipulated. Code can be altered, pictures can be photoshopped, video and audio can be modified to give false impressions of the behavior of individuals and companies. It is becoming increasingly difficult to prove that something never happened, pics or no pics.

Blockchain can’t and won’t solve all of these issues. Some things we’d rather forget will still be remembered online, some things we’d never want to lose will still be lost, and some things we know for certain happened differently will still be falsely portrayed.

But blockchain provides opportunities for new business models that bring back control and trust. In many such cases, customers and end users will need to look very closely to notice any differences, as the changes mainly will occur in the back ends.

To continue reading, visit https://www.dotmagazine.online/issues/innovation-in-digital-commerce/what-can-blockchain-do

Wie war’s beim Mountainbiken im Schwarzwald?

Ich will niemanden davon abhalten, in den Schwarzwald zu fahren und hier womöglich sein Glück auf einem Mountainbike zu suchen. Ich bin schließlich selbst oft genug auf meinem Fahrrad auf den Trails rund um Freiburg unterwegs. Für mich sind die auch vollkommen ausreichend.

Aber weil ich auf meinen kurzen Ausfahrten auch immer wieder Leute treffe, die auf ihren teuren Bikes eher nicht so glücklich wirken, an dieser Stelle ein Hinweis. Damit Sie nicht mit falschen Erwartungen anreisen oder hinterher enttäuscht sind. Oder behaupten, Sie hätten es nicht gewusst.

Daher hier in aller Deutlichkeit und für alle zum Nachlesen. So toll ist das rund um Freiburg mit dem Mountainbiken gar nicht. Mountainbiken im Schwarzwald ist eher so mittel. Darum heißt es ja auch „Mittelgebirge“.

Klar, wenn man zufällig hier wohnt und gerne draußen ist, spricht nichts dagegen, nach Feierabend eine schnelle Runde über den Roßkopf zu drehen oder einmal den Schönberg hoch und wieder runter zu fahren.

Aber extra dafür hierherfahren und womöglich sogar kostbare Urlaubstage opfern? Würde ich nicht. Da fahre ich doch lieber in die Alpen. Die sind vom Schwarzwald aus gar nicht so weit. An manchen Tagen sieht man sie sogar, sie scheinen dann zum Greifen nah und so ist es ja auch wirklich.

Die Alpen! Echte Berge! Mit echten Trails! Für echte Mountainbiker!

In Freiburg hingegen erwarten Sie vor allem „Trails“ wie dieser hier:

Zum Mountainbiken nach Freiburg: Etwas prickelnder als Laufen auf dem Laufband

Und Zecken. Besonders am Schönberg, der zwar schön sein mag, aber jetzt auch nicht auffallend schön wäre. Auffällig ist vor allem, dass es dort viele Zecken gibt. Richtig viele. Es gibt Verbreitungskarten, auf denen ist der Schönberg als der deutsche Standort verzeichnet, an dem es die meisten Zecken gibt, beziehungsweise, um es richtig auszudrücken, an dem es die meisten Zecken gibt, die FSME und Borreliose übertragen.

Der Schönberg: Ganz schön viele Zecken

Wenn Sie Interesse an krankmachenden Zecken haben, verbringen Sie Ihren Moutainbikeurlaub also gerne in Freiburg. Alle anderen biegen, wenn sie mit dem Auto kommen, einfach nicht nach Freiburg ab. Fahren Sie einfach weiter geradeaus. Noch zwei Stündchen in etwa. Dann sind Sie schon am Vierwaldstättersee und da ist es dann richtig schön.

Gruß aus dem Schwarzwald

 

Kinder II

Zuerst meinte ich, mich verhört zu haben. Was das sein soll: ein Klowärter? War das ein neuer Beruf und sollte es in Zeiten akuten Erziehermangels ausgerechnet unserem Kindergarten gelungen sein, einen solchen Klowärter zu rekrutieren? Und was macht so ein Klowärter eigentlich den ganzen Tag.

Also nachgefragt und tatsächlich, ich hatte mich verhört. Nicht einen Klowärter gibt es im Kindergarten, sondern Klowörter. Wissen Sie, was Klowörter sind? Ich musste es mir erklären lassen. Klowörter sind Wörter, die im Zusammenhang mit allem stehen, was man so auf dem Klo erlebt. Und Klowörter sind verboten. Streng verboten.

Mich erinnert das daran, wie ein mir nahestehendes Kind einmal einen Passanten, einen fremden Mann, der zufällig unseren Weg kreuzte, zurechtwies. So etwas sage man nicht. Es ging um ein Wort, das der Missetäter verwendet hat, welches es war, weiß ich nicht mehr. Ich weiß aber noch, dass er einigermaßen perplex geschaut hat. Was auch dem mir nahestehenden Kind auffiel, welches daraufhin die Erklärung nachschob: „Das haben wir verbrannt.“

Auch da musste ich nachfragen. So fand ich heraus, dass im zuständigen Kindergarten, einem Waldkindergarten übrigens, alle unerwünschten Wörter auf Zettel geschrieben und diese Zettel den Flammen übergeben worden waren.

Ich bin kein Pädagoge, sondern nur einfacher Papa, aber mit Wörtern kenne ich mich aus. Ich weiß zum Beispiel, dass es einen Unterschied gibt zwischen „Wörtern“ und „Worten“. Und ich weiß, dass es sehr schwierig sein kann, das richtige Wort zu finden.

Ich weiß auch, dass das schon Mark Twain wusste, der gesagt haben soll: „The difference between the right word and the almost right word is like the difference between lightning and a lightning bug.“

Und ich weiß, dass es Momente gibt, wo der Blitz nur mit Hilfe eines Klowortes einschlägt.

Wenn meine Kinder neue Wörter mit nach Hause bringen, halte ich es daher mit dem lieben Gott, über den der Kaiser, anlässlich der Geburt seines aus einer außerehelichen Affäre geborenen Kindes, zu sagen wusste, er freue sich über jedes neue Menschenkind.

Bei uns werden neue Wörter nicht verbrannt, sie werden gefeiert. Das heißt natürlich auch, die Brut permanent darauf hinzuweisen, dass sie ihre Worte besser wählen kann. Wie neulich auf dem Campingplatz:

„Pass’ auf, die Mauer!“
„Nicht aus der Hängematte stürzen!“
„Fahr’ die anderen Camper nicht über den Haufen!“
„Schneide dich nicht mit dem Messer!“

Für Eltern ist so ein Campingplatz ein Ort der Gefahren, die Kinder davor laut und wiederholt zu warnen, ist oberste Campingplatzbeschäftigung. Die Kinder jedoch sehen nicht die Gefahr, sie haben einfach nur Spaß und auf Warnrufe reagieren sie mit der immer gleichen Replik.

„Ach was, Papi“, sagen sie, wohl wissend, dass sie heute schon rückwärts die Mauer hinunter gestürzt sind, beim Einsteigen die Hängematte verfehlt und den Boden getroffen und schon mindestens einen Nachbarn auf dem Gewissen haben.

„Ach was, Papi.“

Jetzt sitzen sie mit baumelnden Beinen auf besagter Mauer und schnitzen. So ein Schnitzmesser muss scharf sein, sonst geht das nicht. Wer sich mit so einem Messer in den Finger schneidet, spürt es nicht einmal. Man bemerkt die Verletzung erst, wenn man das Blut sieht. Scharf wie ein Skalpell, unsere Schnitzmesser. All das hatte die Verkäuferin gesagt und uns zu den zwei Messern zwei Handvoll Pflaster in die Tüte gepackt. Sie werden’s brauchen, hatte sie gesagt.

„Ach was, Papi.“

„Wie wäre es stattdessen mit: Vielen Dank für den Hinweis, Papi?“

Wie gesagt, ich bin kein Pädagoge. Ich bin nur ein ganz normaler Papa mit ganz normalen Sorgen und ganz normalen Vorschlägen. Die meisten davon laufen ins Leere. Aber mit Wörtern kenne ich mich aus und siehe, es klappt. Mein Vorschlag wird angenommen.

Sogar sehr gut.

Es kann so einfach sein: Meine Kinder haben die falschen Worte verwendet, ich habe sie darauf hingewiesen, dass es bessere Worte gibt und jetzt sitzen sie da mit ihren Kinderskalpellen und ihren spitzer werdenden Stöcken, schnitzen emsig vor sich hin und kichern dazu im Kanon:

„Vielen Dank für den Hinweis, Papi! Vielen Dank für den Hinweis Papi! Vielen Dank für den Hinweis, Papi.“ (repeat and fade out)

Wird ein Buch daraus?II

Wenn ein Buch daraus wird, werde ich bestimmt auch wieder daraus vorlesen. Als Rausschmeißer gibt es dann das hier zu hören:

„Wäre das hier ein Rockkonzert, könnte ich jetzt nach Hause gehen. Aber aus mir ist eben kein Rockstar geworden, sondern nur Schreiberling. Darum haben Sie meine Texte nicht mitgesungen. Und darum kommen wir jetzt gleich zu einem Programmpunkt, den kein Rockstar je absolvieren muss: Fragerunde.

Ich mag Fragerunden. Sie sind so schön vorhersehbar. Los geht es immer so: Ich sehe schon bei der letzten Zugabe, wer bei der Fragerunde als Erstes den Finger streckt. Es ist eine Frau, die sich ihre Frage schon minutenlang zurecht gelegt und im Geiste wieder und wieder umformuliert hat. Vom vielen stillen Proben ist sie aber nicht etwa souveräner geworden. Im Gegenteil. Sie rutscht schon ewig auf ihrem Stuhl herum, sie hat rote Bäckchen und zuhören kann sie schon lange nicht mehr.

Sie will immer das Gleiche. Sie will ein Kind von mir. So formuliert sie es natürlich nicht, aber es läuft darauf hinaus. Sie findet, es war ein prima Abend und sie hält den Künstler für eine ebenso kreative wie freie Seele. Das wäre sie auch gern. Ist sie aber nicht. Also muss sie sich meine Kunst einverleiben. Das geht aber nicht. Also will sie, wenigstens, ein Kind von mir.

Weil sie aber selbst einsieht, dass das nicht geht, zumindest nicht so schnell und schon gar nicht hier, in aller Öffentlichkeit, formuliert sie es anders. Sie gibt sich mit weniger zufrieden: Sie will mein Geheimnis.

Sie sagt: „Also, erst einmal vielen Dank für den inspirierenden Abend. Und dann würde mich mal interessieren, woher nehmen Sie eigentlich Ihre Ideen?“

Immer ist das die erste Frage und die Antwort ist auch immer gleich: „Meine Ideen kommen mir immer in der Badewanne.“ Dann lasse ich eine kurze Pause. Soll sie mit ihrem Kinderwunsch ruhig mal in Ruhe darüber nachdenken, wie das aussieht: Ich in der Badewanne beim Empfangen von Ideen. Soll sie sich ruhig vorstellen, ob das was werden kann mit ihr selbst und dem in der Badewanne empfangenen Bestseller.

Nach Verstreichen der Pause schiebe ich hinterher, dass mir in der Badewanne so viele Ideen kommen, dass ich gar nicht weiß, wohin damit und dass sie gerne drei oder vier davon haben könne, aber das ihr das natürlich nichts bringe. Weil die Idee allein überhaupt nichts wert sei. Man müsse sie schon auch umsetzen.

Dann kommt die nächste Frage. Auch die kenne ich schon. Sie lautet: „Mich würde interessieren, wie viel von dem, was Sie schreiben, haben Sie selbst erlebt?“ „Eine interessante Frage“, beginne ich meine Antwort mit einer Lüge. Ich weiß genau, was die Frage soll. Auch die Frage stammt von einer Frau. Männer stellen nämlich keine Fragen. Auch diese Frau will eigentlich ein Kind von mir. Aber diese Frau weiß genau, dass es einen Unterschied gibt, zwischen dem Künstler und seinem Werk. Da hat er vielleicht ein ganz brauchbares Buch geschrieben, denkt sich diese Fragerin, doch wer garantiert mir, dass der Typ nicht ein totaler Reinfall ist?

Ich kann sie beruhigen: Natürlich bin ich der wahre Jakob und natürlich habe ich alles, was ich jemals geschrieben habe, selbst erlebt. Zumindest in meiner Phantasie. Sonst hätte ich ja wohl kaum darüber schreiben können.

Gibt es weitere Fragen? Die gibt es. Worüber schreiben Sie als Nächstes? Wird nicht verraten. Wie stehen Sie zu der im Buch aufgeworfenen Fragestellung xy persönlich? Dazu möchte ich nichts sagen. Können Sie uns erklären, was die Figur X dazu bewogen hat, sich gegenüber Y so zu verhalten? Äh, wollen Sie nicht vielleicht lieber ein Kind von mir?

So ist das mit mir und den Fragerunden und wenn es keine weiteren Fragen gibt, würde ich jetzt gerne nach Hause gehen.“