Vom Gletscherfloh lernen

 

Seit unserem Ausflug nach Alpigeln ist eines meiner Lieblingstiere  der Gletscherfloh. Der Gletscherfloh lehrt uns zweierlei.

Erstens. Alkohol hält doch warm. Zumindest den Gletscherfloh. Der Gletscherfloh ist in der Lage sind, sein ganzes Leben auf dem Gletscher zu verbringen, wo es bekanntlich immer kalt ist. Wie das geht? Alkohol! Der Gletscherfloh ist imstande, Alkohol in seiner Körperflüssigkeit anzureichern und so seinen Gefrierpunkt auf bis zu 20 Grad minus zu senken. Wie er das genau macht, der Gletscherfloh, habe ich nicht ganz verstanden, daher nur so viel: An der Ernährung liegt das nicht. Seinen Alkohol stellt er ganz ohne Zufuhr von außen her, der Gletscherfloh. Ich finde das, auch ohne die Details zu kennen, bewundernswert.

So sieht er übrigens aus auf seinem Gletscher, der Gletscherfloh:

 

 

 

 

 

 

 

Zweitens. Es gibt einen Unterschied zwischen „fliehen“ und „flüchten“. Wer flieht, tut dies aus eigenem Antrieb. Wer flüchtet, hat hingegen keine Wahl. Im Falle des Flohs bedeutet das, dass er auch dann hüpft, wenn noch kein Fressfeind in der Nähe ist. Würde der Floh sich erst in Bewegung setzen, wenn ihm die Gefahr im Nacken sitzt, würden wir ihn nicht Floh nennen, sondern anders. Vielleicht nicht direkt Flüchtling, aber irgendein vom Flüchten abgeleitetes Substantiv wäre es wohl schon.

Ich weiß nicht, ob ihr das wusstet? Mir jedenfalls war das neu. Was ich ebenfalls nicht weiß ist, ob sich anhand des Unterschieds in der Bedeutung zwischen „fliehen“ und „flüchten“ vielleicht noch ein Drittes lernen ließe und ob das vielleicht sogar mit Menschen zusammenhängt, die nicht aus reiner Vorsicht hin- und herhüpfen, sondern tatsächlich geflüchtet sind? Von wegen keine Wahl haben?

Wahrscheinlich nicht, denn man sollte nicht leichtfertig von Flöhen auf Menschen schließen, weshalb ich auch ich vom Alkoholkonsum, wenn er dazu dienen soll, im Kalten warm zu bleiben, entschieden abrate.

Was ich hingegen weiß ist, dass auf dem Gletscher nicht nur der Gletscherfloh lebt, sondern, zumindest zeitweise, auch eine Spinnenart, genannt Gletscherweberknecht und dass diese Spinne sich anders als der Gletscherfloh nicht von verwehten Samen und Pflanzenresten ernährt, sondern (unter anderem) von, nun ja, Gletscherflöhen.

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